Regionalbahn nach Lübeck

Aus für die „Bäderbahn“

Schon vor längerer Zeit hatte die Deutsche Bahn angekündigt, was immer befürchtet worden war: Im Zuge der Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbelt-Querung soll die sogenannte Bäderbahn stillgelegt werden. Dieses wurde durch vor einigen Tagen dann durch das Landesverkehrsministerium endgültig bestätigt. Zukünftig wird es dann nur noch die Neubaustrecke (deren tatsächlicher Baubeginn noch in den Sternen steht) zwischen Lübeck und Fehmarn geben. Zahlreiche Badeorte an der Lübecker Buch werden so ihre direkte Bahnanbindung verlieren.

Eigentlich war die Neubaustrecke entlang der A1 dafür vorgesehen, insbesondere den Güterverkehr zu beschleunigen und entsprechende Lärmbelastung von den touristisch bedeutenden Orten an der Ostsee fernzuhalten. Seit Beginn konkreter Planungen für die feste Fehmarnbelt-Querung in den 90er Jahren wurde den dortigen Kommunen immer wieder versprochen, dass nicht geplant sei, die Bäderbahn stillzulegen. Offensichtlich eine Lüge. Bereits 2014 hatte die Bahn AG ein Gutachten vorgelegt, dass der Weiterbetrieb der Strecke zwischen Bad Schwartau und Fehmarn „wirtschaftlich nicht darstellbar sei“, also zu wenig Profit abwerfen würde. Dieses ist jetzt auch die klar benannte Position der neuen Landesregierung. Die Vorgängerregierung hatte immer rumlaviert und ein tatsächliches Aus für die Bäderbahn weder klar bestätigt noch klar dementiert.

In der Opposition angekommen legte die SPD jetzt eine 180°-Wende hin und spricht sich plötzlich vehement für den Erhalt der Bäderbahn ein (Drs. 19/281). Verknüpft werden soll der Erhalt mit einer Elektrifizierung und Modernisierung der Strecke, um sie in eine Gesamtkonzept „Regio S-Bahn Lübeck-Ratzeburg“ einzubetten. Ähnliche Vorschläge hatte bereits der betroffene Kreis Ostholstein gemacht, welcher zusammen mit der IHK Lübeck ein Gegen-Gutachten [pdf] vorlegte, welches im Gegensatz zur DB AG zu dem Schluss kommt, dass ein Weiterbetrieb der Bäderbahn sehr wohl wirtschaftlich sei: Deutsche Bahn und Landesregierung gehen nämlich in ihrer Einschätzung davon aus, dass die Fahrgastzahlen für alle Zukunft auf gleichem Niveau bleiben, eine größere Attraktivität durch eine Modernisierung der Strecke wurde ausgeklammert (um zum gewünschten Ergebnis zu kommen).

Dieser Position zum weiteren Abbau öffentlichen Nahverkehrs treu bleibend, wurden die Vorschläge der SPD durch die schwarz-grün-gelbe Landtagsmehrheit dann auch abgelehnt. Zukünftig sollen Shuttle-Busse die Anbindung der Ostsee-Badeorte sicherstellen. Wer den Busverkehr in Schleswig-Holstein außerhalb städtischer Gebiete kennt, wird ahnen, dass damit eine deutliche Verschlechterung der Anbindung einhergehen wird. Für wirtschaftlich vom Tourismus abhängigen Kommunen wird dieser Schlag nur schwer zu bewältigen sein.

Von den derzeit im Landtag vertretenen Parteien wird die feste Fehmarnbelt-Querung leider nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt. Dabei zeigt sich immer mehr, dass die Kritikerinnen und Kritiker dieses Großprojektes Recht behalten werden: Der Fehmarnbelt-Tunnel würde Schleswig-Holstein zum reinen Transitland machen, die betroffenen Regionen hätten außer erheblichen Einbußen z. B. im Tourismus wirtschaftlich nichts davon.

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